Selbstliebe – ein Missverständnis zwischen Sein und Menschsein

Oft hört man den Satz:
„Wir sind bedingungslose Liebe – also müssen wir uns nicht lieben lernen.“
Das stimmt.
Und ist trotzdem unvollständig.
Denn diese Wahrheit gilt auf der Ebene des reinen Bewusstseins.
Nicht auf der Ebene des menschlichen Erlebens.
Selbstliebe richtet sich nicht an das göttliche Sein.
Sie richtet sich an den Teil in uns, der sich getrennt fühlt.
Der Mensch liebt nicht automatisch sich selbst, nur weil sein Wesen Liebe ist.
Zwischen Sein und Persönlichkeit liegen Erfahrungen, Prägungen, Verletzungen, Rollen und Schutzmechanismen.
Wenn jemand sagt:
„Ich liebe mich“,
dann ist das kein philosophischer Widerspruch –
sondern eine innere Handlung.
Ein bewusster Teil wendet sich einem unbewussten Teil zu.
Selbstliebe bedeutet:
– sich nicht mehr innerlich zu bekämpfen
– sich nicht ständig korrigieren zu wollen
– sich auch dann zu halten, wenn man sich selbst nicht „gut findet“
Affirmationen sind keine Wahrheitsformeln.
Sie sind Beziehungsangebote an das eigene Menschsein.
Nicht das Bewusstsein liebt sich selbst.
Das Bewusstsein erlaubt, dass der Mensch sich wieder anlehnen darf.
Solange Menschen sich schämen, bewerten, zurückhalten oder verleugnen,
ist Selbstliebe nicht überflüssig – sondern notwendig.
Nicht als spirituelles Ideal.
Sondern als gelebte Rückkehr in die eigene Ganzheit.








